Relai und die Arbeit daran, Bitcoin einfach zu machen
Mitgründer und CTO Adem Bilican über die Kunden, die die App verändert haben, und die Zahlungsfunktion, die das Team zurücknehmen musste.
Von Janusz Nowakowski
Das Interview erschien erstmals am 12. Oktober 2025.
Als Julian Liniger mit der Idee für Relai auf Adem Bilican zukam, wollte er Bitcoin einfach machen. Bilican fand, das sei es bereits.
«Für mich war es das. Aber er überzeugte mich, dass es für die meisten Menschen nicht so war.»
Bilican hatte Bioinformatik studiert und mobile Wallets gebaut. Er kannte die Technik gut genug, um sich zurechtzufinden. Die Menschen, die Liniger erreichen wollte, hatten diesen Hintergrund nicht. Die Schweizer App zum Kaufen und Verkaufen von Bitcoin musste auch für sie funktionieren.
Dieser Unterschied tauchte in unserem Gespräch immer wieder auf: bei Kunden, die ihre Sicherung nicht fanden, bei zusätzlichen Schritten durch Regulierung und bei einer Zahlungsfunktion, die sich im grösseren Betrieb als schwierig erwies.
Mit Menschen anfangen, denen das Produkt wichtig ist
Bilican hörte während seiner Doktorarbeit, etwa 2010 oder 2011, zum ersten Mal von Bitcoin. Ein kleiner französischer Blog bat um Spenden darin. Er hielt es für etwas für Geeks, obwohl er selbst einer war.
Zunächst interessierte ihn die Technik. In seinem Forschungsgebiet sah er ein Problem.
«Ich setzte meine Doktorarbeit fort, machte einen Postdoc und wollte unabhängig werden. In dieser Zeit interessierte ich mich für Blockchain-Technologie. Es war die Big-Data-Ära, und ich wollte eine einzige Quelle der Wahrheit für Genomikdaten schaffen, weil Forschungsgruppen auf der ganzen Welt an denselben Datensätzen ohne Koordination arbeiteten. Ich dachte, Blockchain könnte das lösen.»
Er begann, Kryptoprojekte und Wallets zu entwickeln. Während der Pandemie las er dann mehr über Geld und Inflation. Auf meine Frage, was Bitcoin für ihn bedeute, antwortete er zuerst: «Freiheit.»
Relai begann mit einer kleinen Gruppe Schweizer Bitcoin-Nutzer, die diese Überzeugung teilten.
«Einige von ihnen investierten sogar als Angels. Andere gaben Feedback und halfen uns, besser zu werden. Diese Schleife wurde Teil unserer DNA: bauen, lernen, verbessern, wiederholen.»
Ihre Unterstützung gab dem jungen Unternehmen Mittel, die es sich sonst kaum hätte leisten können. Diese Kunden wollten bereits Bitcoin. Relai bot ihnen einen einfacheren Weg, es zu kaufen. Für eine Firma mit wenig Zeit und Geld war das ein klarer Ausgangspunkt.
Beim zweiten Kauf war ein zusätzlicher Schritt nötig
Auch Kunden, die das Produkt wollten, konnten etwas Entscheidendes übersehen. Einige fanden ihre Seed-Phrase nicht: die Wörter, mit denen sich der Zugang zur Wallet wiederherstellen lässt.
«Ich erinnere mich, dass einige Nutzer sich beschwerten, dass sie ihren Seed nicht finden konnten. Es war also nicht so offensichtlich. Damit niemand ihn verliert, beschlossen wir, die Sicherung ab der zweiten Bestellung verpflichtend zu machen.»
Der erste Kauf konnte einfach bleiben. Wer weitermachte, musste eine Sicherung anlegen. Relai verlangte von den Kunden Verantwortung für die eigene Wallet und hatte einen Punkt gefunden, an dem die App sie bewusst bremsen musste.
Die Nutzer wollten ausserdem sehen, wie sich ihr Portfolio über die Zeit entwickelte. Relai warb für regelmässige Käufe, oft Dollar Cost Averaging genannt, hatte diese Übersicht aber noch nicht eingebaut.
«Unsere Nutzer hatten danach gefragt, und wir integrierten es schnell in die App.»
Die Überzeugungen der Firma hatten diese Kunden angezogen. Ihre Wünsche zeigten dem Team konkreter, was es bauen sollte.
Auch eine einfache App muss Regeln einhalten
Mit dem Wachstum änderte sich das Produkt. Relai musste Identitätsprüfungen einführen, meist KYC genannt: Know Your Customer.
«Als wir anfingen, war Relai eine App ohne KYC. Menschen konnten Bitcoin ohne Verifizierung kaufen. Schliesslich mussten wir KYC einführen, um die Vorschriften einzuhalten und weiterarbeiten zu können.»
Das Team versuchte, den Ablauf innerhalb dieser Vorgaben möglichst schnell und einfach zu halten.
Auch die Expansion hatte Grenzen. Relai beantragte eine Lizenz nach MiCA, dem EU-Regelwerk für Kryptowerte-Dienstleistungen. Bilican beschrieb die damaligen Pläne so:
«Die App ist bereits in vielen europäischen Ländern verfügbar. Die Hauptbeschränkung ist die Regulierung. Wir haben eine MiCA-Lizenz in Frankreich beantragt, mit der wir nach der Genehmigung unsere Dienste in der gesamten EU anbieten können. Die USA sind viel schwieriger und würden ganz andere Lizenzen und Ressourcen erfordern. Unsere nächsten Ziele sind deshalb wahrscheinlich der Nahe Osten und Asien.»
Die App verfügbar zu machen war eine Aufgabe. Die Kunden dort bedienen zu dürfen war eine weitere.
Die Funktion, die zurückgenommen werden musste
Lightning, ein Netzwerk für schnellere Bitcoin-Zahlungen, versprach eine weitere Erleichterung. Bilican erklärte, dass Relai-Kunden nach dem Bezahlen auf die nächste gebündelte Überweisung an ihre Wallet warten mussten. Lightning konnte diese Wartezeit verkürzen. Auch kleine Empfehlungsprämien liessen sich damit sofort auszahlen.
Relai integrierte eine Lightning-Wallet, bei der die Nutzer ihre eigenen Schlüssel kontrollierten. Die Idee passte zum Produkt. Der Betrieb war schwieriger.
«Die Nutzer kontrollierten ihre eigenen Schlüssel. Aber die dafür nötigen Nodes in grossem Massstab in der Cloud zu betreiben, funktionierte nicht wie erwartet. Wir mussten den Dienst vorübergehend abschalten und die Mittel zurückgeben. Die Gebühren übernahmen wir selbst.»
Relai schloss die Lightning-Kanäle und überwies das Geld zurück in die normalen Bitcoin-Wallets der Kunden. Die Funktion sollte das Produkt verbessern. Nun konnte das Team sie nicht mehr mit ausreichender Sicherheit anbieten.
Ich fragte, wie die Kunden auf die Entscheidung reagiert hatten.
«Anfangs kam das nicht gut an. Als wir unsere Entscheidung genauer erklärten, wurde sie verständlicher.»
Bilican wollte Lightning weiterhin in der App haben und beobachtete die Arbeit anderer Teams. Einen Termin für die Rückkehr wollte er aber nicht nennen.
«Es gibt keinen festen Zeitplan. Wir stehen mit allen grossen Lightning-Projekten in Kontakt und verfolgen die Fortschritte. Wir werden es wieder integrieren, sobald wir sicher sind, dass die Bedienung zuverlässig funktioniert.»
Redaktionelle Aktualisierung, 10. Oktober 2026: Eine frühere CloudIndustry-Fassung datierte dieses Gespräch fälschlich auf Herbst 2024. Das Original erschien am 12. Oktober 2025. Das AMF-Register verzeichnet die Zulassung von Relai EU SASU am 23. Oktober 2025, nach der Veröffentlichung. Die beschriebenen Produktentscheidungen beziehen sich auf die Zeit des Gesprächs.